Marktentwicklung

Das zweite Quartal war von einem Härtetest für die Weltwirtschaft geprägt: Die massiv eingeschränkte Passage durch die Straße von Hormus bis Mitte Juni störte zentrale Energie- und Güterströme und belastete zunehmend die globalen Wertschöpfungsketten. Besonders die Eurozone und Teile Asiens waren von den Verwerfungen in der Öl- und Gasversorgung betroffen. Die USA, aber auch China zeigten sich hingegen robuster. Die Weltwirtschaft insgesamt trotzte dem starken Energieschock bislang erheblich besser als zunächst zu erwarten gewesen wäre. Zugleich zogen – wenig überraschend – die Inflationsraten weltweit an. In der Eurozone hob die EZB im Juni daher die Zinsen an – begründet mit Preissteigerungsraten von über 3 % p.a. und der Sorge vor Zweitrundeneffekten. Parallel dazu verlor das europäische Wirtschaftswachstum spürbar an Dynamik, vor allem im exportorientierten deutschen verarbeitenden Gewerbe. Anders präsentierte sich die Lage in den USA: Dort blieb die Konjunktur sehr widerstandsfähig, getragen vor allem von umfangreichen Investitionen in künstliche Intelligenz und die dafür notwendige Infrastruktur. Diese Kombination aus solider Konjunktur und beschleunigtem Preisauftrieb veranlasste die US-Notenbank, Änderungen des Leitzinses vorerst auf Eis zu legen. Mit dem Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran sowie dem raschen Rückgang der Ölpreise hat sich der Ausblick für die Weltwirtschaft zuletzt wieder merklich verbessert. Das gilt sowohl mit Blick auf das Wachstum als auch auf die Inflation.

Entwicklung wesentlicher Anlageklassen

Wertentwicklung jeweils aus Sicht von Euro-Investoren für das zweite Quartal 2026.

Quelle: Raiffeisen Capital Management. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise am Ende des Artikels.

Die globalen Aktienmärkte zeigten sich nach einem anfänglichen Kursrückgang zunehmend unbeeindruckt vom angespannten geopolitischen Umfeld und dessen wirtschaftlichen Folgen. Im zweiten Quartal setzten sie ihren Aufwärtstrend in vielen Regionen fort, auch wenn die Dynamik im Juni etwas nachließ. Die meisten Wirtschaftsräume wurden bislang offenbar nicht nachhaltig von den Verwerfungen im Zuge des Konflikts im Mittleren Osten belastet. Zugleich blieb das Gewinnwachstum vieler Unternehmen weiterhin sehr robust. In den USA stiegen die Aktienindizes im Quartalsverlauf kräftig, getragen vor allem von der ungebrochenen Sonderkonjunktur im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie überzeugenden Unternehmensergebnissen. Per Saldo verzeichneten sie das stärkste Quartal seit dem Frühjahr 2020. Auch europäische Aktien legten merklich zu, wobei Österreichs Aktienmarkt zu den Spitzenreitern zählte. Viele Börsen verzeichneten damit im ersten Halbjahr trotz Irankrieg und Hormus-Sperre bereits Wertzuwächse von deutlich über 10 %. Am stärksten entwickelten sich in den vergangenen Monaten jedoch viele Schwellenländerbörsen. Gestützt durch ein freundlicheres Marktumfeld und hohe Dynamik im asiatischen Technologiesektor bauten die Emerging Markets ihre Gewinne im bisherigen Jahresverlauf auf über 27 % aus (in Euro gerechnet) und ließen damit die entwickelten Märkte klar hinter sich.

An den Anleihemärkten war das zweite Quartal zwar von Volatilität geprägt, entwickelte sich letztlich aber konstruktiv. Im Mai hatten die Renditen in der Eurozone aufgrund zunehmender Inflationssorgen noch spürbar angezogen; die 10-jährigen deutschen Bundesanleihen markierten dabei ein Zwischenhoch von rund 3,20 %. Die im Juni vollzogene Zinsanhebung der EZB war von den Marktteilnehmern jedoch bereits antizipiert und weitgehend eingepreist. Danach setzte eine Erholung ein: Ausgelöst durch den kräftigen Rückgang der Ölpreise und die gleichzeitige Abschwächung der Inflationsdynamik sanken die Renditen merklich, was zu entsprechenden Kursgewinnen bei Anleihen führte. Zum Quartalsende notierte die 10-jährige Bundesanleihe wieder im Bereich von rund 2,9 %. Von dieser Beruhigung profitierten auch Staatsanleihen der europäischen Peripherie sowie Euro-Unternehmensanleihen, deren Renditeaufschläge zurückgingen. Zu den stärksten Segmenten im ersten Halbjahr zählten im Anleihebereich US-Hochzinsanleihen, Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern sowie US-Investmentgrade-Unternehmensanleihen.

An den Rohstoffmärkten kam es im zweiten Quartal zu deutlichen Korrekturen, vor allem bei Energieträgern. Nach den geopolitisch bedingten Höchstständen im Frühjahr führte die diplomatische Entspannung im Nahen Osten zu einem raschen Abbau der Risikoprämien. Im Zuge dessen fielen die Ölpreise wieder in die Nähe ihrer Niveaus vor Ausbruch des Krieges. Auch die Edelmetalle standen unter Druck: Gold verbuchte mit einem Rückgang von rund 15 % auf etwa 4.015 US-Dollar je Feinunze sein schwächstes Quartal seit vielen Jahren. Auf den Devisenmärkten blieben die Schwankungen der wichtigsten Weltwährungen weiterhin sehr begrenzt; im ersten Halbjahr ergaben sich per Saldo kaum nennenswerte Veränderungen.


Entwicklung der Savity-Portfolios

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Entwicklung der Savity Weltportfolios und der Portfoliobestandteile
Quelle: Eigene Berechnung, Depotbank, Infront. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise am Ende des Artikels.

Die Aktienkomponente entwickelte sich im zweiten Quartal erfreulich, positiv hervorstechen konnten die Schwellenländer, vor allem im Zuge der Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Die Wechselkursentwicklung zwischen Euro und US-Dollar hatte erneut einen leicht positiven Einfluss auf die Performance. Die Anleihenmärkte entwickelten sich ebenfalls erfreulich, wobei kürzere Laufzeiten etwas schwächer abschnitten. Unternehmensanleihen im Investment-Grade- und High-Yield-Segment, die einen wesentlichen Portfoliobestandteil darstellen, verzeichneten im zweiten Quartal eine sehr starke Performance.

Marktausblick

Mit dem Waffenstillstand im Irankrieg und dem raschen Ölpreisrückgang hat sich auch der Konjunkturausblick aufgehellt, was erste Konjunkturvorlaufindikatoren auch bereits anzeigen. Auch wenn der Waffenstillstand wackelig erscheint, sollten sowohl die US-Regierung (Wahlen Anfang November) als auch der Iran ein starkes Interesse daran haben, dass die Situation nicht gleich wieder eskaliert. In diesem Fall bleiben die Energie- und Ölpreise tief und eine Weltwirtschaft, die bereits vor dem Irankrieg sehr robust war, würde die Kriegsdelle rasch wieder ausgleichen. In Summe ein Konjunkturbild, in dem die Weltwirtschaft und China heuer nahe dem langfristigen Durchschnitt wächst, die USA dank KI-Investitionen sogar darüber, und Europa etwas darunter – mit der Aussicht, dass auch Europa dann im Laufe des zweiten Halbjahres wieder auf Durchschnittswachstum aufholt. In Summe ein robustes Wachstum, ohne zu überhitzen.

Mit dem Ölpreisrückgang gehen weltweit auch die Inflationsraten wieder nach unten – in der Eurozone z.B. bereits von einem Hoch bei 3,2 % auf zuletzt 2,8 %. Die Aussichten stehen entsprechend gut, dass sich auch die Gesamtinflation in der Eurozone im weiteren Jahresverlauf wieder bei knapp über 2 % einpendeln wird. Der Zinsmarkt preist trotzdem noch immer eine zweite Leitzinsanhebung der EZB auf 2,5 % ein. Deutlich höher ist der Inflationsdruck in den USA, wo die Wirtschaft überdurchschnittlich stark wächst und die Inflationsrate zuletzt bereits bei 4,2 % lag. Entsprechend höher ist dort mit 3,5 bis 3,75 % auch bereits der Leitzins – und der Zinsmarkt erwartet derzeit eine weitere Leitzinsanhebung auf 4 % um die Jahreswende.

Natürlich bleibt der Iran-Konflikt ein Risiko: Eine längere Unterbrechung der Öllieferungen würde den Marktausblick stark verschlechtern. Aber auch wenn der Waffenstillstand brüchig ist: Beide Seiten müssen ein starkes Interesse daran haben, dass die Situation nicht weiter eskaliert. Damit bleibt der weitere Ausblick aber unverändert positiv für Aktienmärkte: Die globale Konjunktur steckte die zwischenzeitig hohen Ölpreise erfreulich gut weg und mit dem tieferen Ölpreis sind die Konjunkturvorlaufindikatoren jetzt sogar wieder am Weg nach oben. Gleichzeitig erwarten wir keine hartnäckige Inflationsspirale, die starke Zinsanhebungen notwendig machen würde. Damit sind wir unverändert optimistisch, dass weder von Seiten der Konjunktur noch von Inflation und Zinsen Gefahr für die ausgezeichnete Gewinnentwicklung besteht. Zum Teil (aber nicht nur) wird das von nach wie vor boomenden KI-Investitionen getragen. Und derzeit sehen wir bei den Auftraggebern dieser gewaltigen Rechenzentren noch keine Absicht, diese Investitionen zu drosseln.


Risikohinweis: Jede Kapitalveranlagung ist mit einem Risiko verbunden. Kurse können sowohl steigen als auch fallen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investments zu. Insbesondere kann die Erhaltung des investierten Kapitals nicht garantiert werden; es gibt somit keine Gewähr dafür, dass der Wert des eingesetzten Kapitals bei einem Verkauf dem ursprünglich eingesetzten Kapital entspricht. Bitte beachten Sie hierzu unsere Risikohinweise.

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