Marktentwicklung

Die Weltwirtschaft präsentierte sich im ersten Quartal 2026 weiterhin recht stark: Die Vorlaufindikatoren signalisieren Wachstum und von mehreren Seiten gibt es Rückenwind. Dazu zählen eine expansivere Fiskalpolitik und sinkende Zinsen in den USA, das Infrastrukturpaket in Deutschland und höhere Rüstungsausgaben in der EU. Zudem hat sich im Industriebereich nach einer langen Rezession ein zaghafter Aufschwung etabliert. In dieses grundsätzlich positive Bild platzte jedoch der Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Er bedeutet steigende Konjunkturrisiken. Falls die Öl- und Flüssiggas-Exporte aus dem Persischen Golf längere Zeit ausfallen, wären ein Ölpreisschock deutlich über 100 US-Dollar und ein globaler Konjunktureinbruch wahrscheinlich.

Entwicklung wesentlicher Anlageklassen

Wertentwicklung jeweils aus Sicht von Euro-Investoren für das erste Quartal 2026.

Quelle: Raiffeisen Capital Management. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise am Ende des Artikels.

An den globalen Aktienmärkten wurde die Entwicklung in den vergangenen Wochen fast ausschließlich von den Geschehnissen im Nahen Osten diktiert. Dies lag neben den schwerwiegenden ökonomischen Implikationen des Konflikts auch an den zahlreichen, oftmals widersprüchlichen Kommentaren und Ankündigungen der Kriegsparteien Iran und USA. So signalisierten die USA nicht nur einmal in einem Moment Deeskalation, nur um im nächsten Moment wieder eine weitere Eskalation in Aussicht zu stellen. Insbesondere die damit verbundene Unsicherheit über eine zeitnahe Öffnung der Straße von Hormus schlug sich somit kaum überraschend negativ auf die Kursperformance in Europa nieder. Nochmals deutlicher fielen die Kursrücksetzer aufgrund der hohen Abhängigkeit von Energielieferungen aus den Golfstaaten in Asien aus. Unterdessen erwiesen sich die US-amerikanischen Indizes seit Kriegsbeginn jedoch als relativ robust, zumal die USA als Nettoexporteur von Energie diesbezüglich geringeren makroökonomischen Risiken ausgesetzt sind.

An den Anleihemärkten führte der Energiepreisschock zu einem Anstieg der Staatsanleiherenditen in Europa und den USA, insbesondere bei kurzen Laufzeiten, weil nach Kriegsausbruch Zinserhöhungen eingepreist wurden, obwohl vor dem Krieg noch Zinssenkungen erwartet worden waren. Die negative Performance betraf fast alle Anleiheklassen. Unternehmensanleihen und speziell Hochzinsanleihen litten wegen höherer Risikoaufschläge noch etwas stärker als Staatsanleihen. Der US-Dollar wertete als klassische Krisenwährung deutlich auf und wirkte im 1. Quartal leicht positiv für Euro-Investoren. Der Goldpreis schwankte stark und gab trotz Krisensituation und höherer Inflation im März kräftig nach und liegt auf Jahressicht „nur“ noch einstellig im Plus. Ihn belasteten unter anderem die steigenden Renditen auf den Anleihemärkten.


Entwicklung der Savity-Portfolios

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Entwicklung der Savity Weltportfolios und der Portfoliobestandteile
Quelle: Eigene Berechnung, Depotbank, Infront. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise am Ende des Artikels.

Im Savity Weltportfolio wurde die Aktienquote Ende Februar 2026 auf die strategische Quote reduziert, somit konnten vor dem Kriegsausbruch im Nahen Osten noch Kursgewinne realisiert werden. Die Aktienkomponente entwickelte sich im Berichtszeitraum marktbedingt großteils schwächer, positiv hervorstechen konnten Schwellenländer-Aktien. Die Wechselkursentwicklung zwischen Euro und US-Dollar hatte im ersten Quartal einen leicht positiven Einfluss auf die Performance und wirkte damit dämpfend auf die Aktienkursrückgänge. Im Anleihenteil wurde die Positionierung defensiver ausgerichtet: Nach der guten Entwicklung 2025 wurden Emerging Markets Anleihen verkauft und das Exposure in High Yield Unternehmensanleihen deutlich reduziert. Gleichzeitig wurde in inflationsgeschützte Staatsanleihen umgeschichtet, die sich im ersten Quartal sehr positiv entwickelt haben.

Marktausblick

Ein Monat nach Kriegsausbruch sind die Folgen des Energiepreis-Schocks zwar in vielen (nachlaufenden) Wirtschaftsdaten noch nicht ersichtlich. Aber allein der bisherige Energiepreisanstieg reicht, um eine zu Jahresbeginn noch sehr positive Konjunktur im zweiten Quartal deutlich abzuschwächen. Geht der Ölpreis – mit einer Öffnung der Straße von Hormus – ab April wieder deutlich nach unten (Basisszenario), würde sich das BIP-Wachstum anschließend wieder rasch erholen. Das Durchschnittswachstum für 2026 wäre dann rechnerisch zwar trotzdem deutlich tiefer als vor Kriegsausbruch erwartet – vor allem in wirtschaftlich stärker betroffenen Regionen wie der Eurozone, die immer noch stark vom Import fossiler Brennstoffe abhängig sind. Eine Rezession würde in diesem Fall aber vermieden, und der Konjunkturausblick würde sich rasch wieder aufhellen. Das gilt noch mehr für den Energie-Netto-Exporteur USA. Kommen die Öl- und Flüssiggas-Exporte aus dem persischen Golf dagegen (insbesondere wegen einer weiteren militärischen Eskalation) für Monate weiter zum Erliegen, wären ein weiterer Ölpreisschock deutlich über dem aktuellen Niveau (USD 150?) und ein globaler Konjunktureinbruch kaum vermeidbar (Risikoszenario). Allerdings kann der US-Präsident genau das angesichts der US-Parlamentswahlen im Herbst am allerwenigsten riskieren. Sollte der Ölpreis deshalb zu lange zu hoch steigen, hat er einen starken Anreiz, den Konflikt zu beenden und einem Kompromiss zuzustimmen.

Bis Kriegsausbruch waren globale Wirtschaft und fundamentale Trends (wie z. B. Gewinndynamik der Unternehmen) sehr positiv für die Aktienmärkte. Mit dem aktuellen Energiepreis-Schock erleben diese Trends natürlich alle einen Knick nach unten, aber die große Frage ist für wie lange. Denn in unserem Basisszenario würden zwar die Fundamentaldaten noch mehrere Monate verschlechtert bleiben, Aktienmärkte (und Finanzmärkte generell) preisen aber üblicherweise die Zukunftserwartungen – und diese würden sich mit einem fallenden Ölpreis rapide verbessern. Entsprechend würden mit einem absehbaren Ende der Energieexport-Blockade nicht nur der Ölpreis in kürzester Zeit nach unten, sondern auch die Aktienmärkte voraussichtlich nach oben tendieren. Die Abwärtsrisiken sind aber natürlich ebenso offensichtlich: Eskalieren die USA den Konflikt weiter, und/oder gibt der Iran die Straße von Hormus trotzdem nicht frei, würde der Ölpreis die nächsten Monate noch deutlich höher liegen und eine Rezession wahrscheinlich machen. Für eine solche ist der Aktienmarkt derzeit noch nicht gepreist. Dieses (Risiko-)Szenario muss Trump vor den US-Wahlen im Herbst zwar eigentlich um jeden Preis vermeiden – kurzfristig ist aber das Risiko für Kursausschläge in beide Richtungen hoch.


Risikohinweis: Jede Kapitalveranlagung ist mit einem Risiko verbunden. Kurse können sowohl steigen als auch fallen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investments zu. Insbesondere kann die Erhaltung des investierten Kapitals nicht garantiert werden; es gibt somit keine Gewähr dafür, dass der Wert des eingesetzten Kapitals bei einem Verkauf dem ursprünglich eingesetzten Kapital entspricht. Bitte beachten Sie hierzu unsere Risikohinweise.

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