Geldanlage und der Aktienmarkt werden gelegentlich mit Wetten in einem Casino gleichgesetzt. Vereinzelte, sehr hohe Aktien-Gewinne ebenso wie Verluste erwecken den Anschein, dass eine gewisse Ähnlichkeit besteht. Tatsächlich weiß niemand, wie sich eine einzelne Aktie oder ein Markt morgen oder im nächsten Jahr entwickeln wird. Bei der Geldanlage gilt es aber zwischen kurzfristiger Spekulation und langfristigem Investieren zu unterscheiden.

Spekulation zielt darauf ab, kurzfristig Gewinne zu erzielen. Indem auf wenige Titel gesetzt wird, ist eine hohe Rendite möglich. Gleichzeitig steigt aber das Risiko hoher Verluste. Den Spekulanten treibt die Aussicht auf Gewinn – er ist weniger interessiert an der Wertsteigerung einer Aktie, die aus der Wertschöpfung eines Unternehmens resultiert. Es geht primär darum, etwas kurzfristig zu einem deutlich höheren Preis weiterzuverkaufen.

Beim Investieren hingegen geht es um eine langfristige Geldanlage. Denn auch wenn Aktien- oder Anleihekurse kurzfristig ungewiss sind, sind sie doch langfristig gewissermaßen abschätzbar. In einem früheren Blogbeitrag haben wir gezeigt, dass die Wertschwankungen von Aktien mit der Anlagedauer deutlich abnehmen. In der schlechtesten 12-Monats-Periode war ein Verlust von knapp 40% zu verzeichnen, im besten Fall konnte ein Gewinn von 72% erzielt werden. Je länger der Anlagezeitraum, desto mehr nähern sich diese Extremwerte an: Bei einer Anlagedauer von 10 Jahren lag die jährliche Rendite im schlechtesten Fall nur noch bei rund -4%, im besten Fall bei +19%. Ab einer Haltedauer von 14 Jahren war die erzielte Rendite in allen Fällen positiv.

Dieser historischen Renditeberechnung liegt ein breit gestreutes Aktienportfolio zugrunde. Die Annahme ist, dass mit einem breit gestreuten Portfolio auch zukünftig ähnliche Erträge erzielt werden können. Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass eine selektive Einzeltitelauswahl langfristig nicht zu einer besseren Rendite führt (Markowitz, 1952; Sharpe, 1964; Ibbotson & Kaplan, 2000). Savity investiert daher nicht in Einzelaktien, sondern breit gestreute ETFs und Fonds, die ganze Märkte abdecken (zum Beispiel den amerikanischen Aktienmarkt oder den chinesischen Anleihemarkt).

Was ist eine realistische Renditeerwartung?

Langfristig haben globale Aktien eine reale Rendite von 5,3% und Staatsanleihen 2,1% erzielt (Zeitraum: 1900–2020, Quelle: Credit Suisse). Da eine Anlage in Aktien generell risikoreicher ist als ein Investment in Staatsanleihen, war auch die erzielte Rendite höher. Davon ist auch in Zukunft auszugehen. Aufgrund des globalen Niedrigzinsumfelds ist jedoch bei Anleihen zukünftig mit niedrigeren Erträgen zu rechnen. Wir berücksichtigen dies in unserer Renditeerwartung.

Für die fünf Risikokategorien von Savity ergeben sich dadurch im Schnitt folgende Renditeerwartungen, auf denen auch die erwartete Entwicklung in unserem Anlagevorschlag basiert:

Renditeerwartungen je nach Ertrags-/Risikoniveau
Die Werte entsprechen Renditen pro Jahr, wie sie im langjährigen Durchschnitt für eine global gestreute Anlage im aktuellen Marktumfeld erwartet werden.
Quelle: Eigene Berechnung (Rendite vor Steuern und nach Abzug aller Kosten bei Savity), Stand: 15. Dezember 2021
Kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

Die ausgewiesenen Renditen verstehen sich als Werte, die durchschnittlich pro Jahr über einen Konjunkturzyklus hinweg erzielt werden. Ein Konjunkturzyklus entspricht in etwa sieben bis zehn Jahren. In guten Jahren wird die Rendite darüber liegen, in schlechten Jahren darunter. Da zukünftige Erträge ungewiss sind, können wir selbstverständlich keine Garantie geben, dass diese Renditen erzielt werden. Auf Basis langjähriger historischer Daten erwarten wir jedoch, dass sich die jährlichen Renditen im Schnitt diesen Werten annähern werden.

Was, wenn es schlecht läuft?

Niemand kann vorhersehen, ob aktuell ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg am Kapitalmarkt ist oder nicht. Als schlechtester möglicher Investitionszeitpunkt gilt generell der höchste Kurs vor Beginn einer Krise, der aber klarerweise erst im Nachhinein bestimmt werden kann. Wir betrachten für die drei großen Krisen in den letzten 20 Jahren, wie hoch die Wertverluste im jeweils schlechtesten Fall waren und wie lang es gedauert hat, bis die Verluste wieder aufgeholt waren.

Der maximale Wertverlust zeigt die Wertentwicklung, die vom höchsten Punkt vor der Krise bis zum tiefsten Punkt während der Krise verzeichnet wurde. Dieser Wertverlust wäre im ungünstigsten Fall („Worst Case“) realisiert worden, wenn ein Anleger in der jeweiligen Krise zum Höchstkurs ein- und zum Tiefstkurs ausgestiegen wäre. Die historischen Verluste sind – wie erwartet – mit zunehmendem Risiko höher ausgefallen.

Maximaler Wertverlust in Krisen
Dotcom-Blase 2000Finanzkrise 2008Coronakrise 2020
Sicherheitsbewusst–2,9%–7,0%–10,0%
Konservativ–8,1%–16,4%–13,4%
Ausgewogen–20,9%–30,6%–16,1%
Dynamisch–32,9%–43,0%–20,6%
Aggressiv–47,1%–57,6%–25,5%
Quelle: Eigene Berechnung. Die Werte für Dotcom-Blase und Finanzkrise basieren auf einer modellbasierten Rückrechnung, auf Basis globaler Aktien- und Anleiheindizes und Gewichtung gemäß der für die jeweilige Risikokategorie geltenden Benchmark-Portfolios gemäß der Savity-Anlagerichtlinien. Die Werte für die Coronakrise basieren auf der tatsächlich erzielten Performance der Savity-Classic-Strategien (verfügbar für alle Risikokategorien). Berechnung vor Steuern und nach Abzug aller Kosten, wie sie bei Savity angefallen sind bzw. angefallen wären.
Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine zuverlässigen Indikatoren für zukünftige Entwicklungen.

Neben dem maximalen Wertverlust ist der Erholungszeitraum eine interessante Metrik für Anleger. Dieser Zeitraum gibt Aufschluss darüber, wie lange es gedauert hat, bis Verluste wieder aufgeholt waren. Hier zeigt sich einmal mehr, dass risikoreichere Anlagen unbedingt über einen längeren Anlagehorizont verfügen sollten. Die Coronakrise 2020 war hier untypisch: Auf den schnellsten Wertverlust in der Geschichte des Aktienmarktes folgte die historisch schnellste Erholung. Aufgrund des Nullzinsumfelds setzte bei Anleihen keine solch starke Gegenbewegung ein. Dadurch war der Erholungszeitraum risikoärmerer Strategien mit hohem Anleiheanteil – trotz deutlich geringerer Verluste – schlechter oder nur geringfügig besser.

Erholungszeitraum

Der Erholungszeitraum gibt die Anzahl an Tagen an, die es gedauert hat, bis Wertverluste wieder vollständig aufgeholt waren.

Dotcom-Blase 2000Finanzkrise 2008Coronakrise 2020
Sicherheitsbewusst47 Tage253 Tage460 Tage
Konservativ795 Tage216 Tage297 Tage
Ausgewogen450 Tage1.194 Tage297 Tage
Dynamisch804 Tage1.379 Tage320 Tage
Aggressiv1.135 Tage1.584 Tage320 Tage
Quelle: Eigene Berechnung. Die Werte für Dotcom-Blase und Finanzkrise basieren auf einer modellbasierten Rückrechnung, auf Basis globaler Aktien- und Anleiheindizes und Gewichtung gemäß der für die jeweilige Risikokategorie geltenden Benchmark-Portfolios gemäß der Savity-Anlagerichtlinien. Die Werte für die Coronakrise basieren auf der tatsächlich erzielten Performance der Savity-Classic-Strategien (verfügbar für alle Risikokategorien). Berechnung vor Steuern und nach Abzug aller Kosten, wie sie bei Savity angefallen sind bzw. angefallen wären.
Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine zuverlässigen Indikatoren für zukünftige Entwicklungen.

Ein Investment zu einem ungünstigen Zeitpunkt ist natürlich unerfreulich, insbesondere wenn man danach jahrelang in eine Strategie einzahlt, die „nur Verluste macht“. Wer seiner Strategie während der Erholung treu geblieben ist, wurde historisch aber immer belohnt. Vor allem, wenn man in einer Krise die finanzielle Möglichkeit für Zuzahlungen hat. Denn historisch hohen Wertverlusten folgten vor allem zu Beginn der Erholung tendenziell hohe Gewinne. Durch regelmäßige Zuzahlungen, z.B. mittels Sparplan, kann der Erholungszeitraum weiter reduziert werden.

Was, wenn es sehr schlecht läuft?

Bei klassischen Anlageprodukten stellt ein Totalausfall typischerweise den schlechtesten Fall für Investoren dar. Aufgrund der breiten Streuung der Portfolios bei Savity ist ein Totalverlust äußerst unwahrscheinlich.

In einem weiteren Schritt wollen wir Ausfalls-Szenarien beleuchten, also was passiert, wenn es Savity oder die Depotbank nicht mehr gibt und was das für ein Investment bedeutet.

Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass Savity keinen Zugriff auf Kundendepots hat. Savity kann zwar Aufträge an die Depotbank senden, welche Wertpapiere im Rahmen der Vermögensverwaltung gekauft werden sollen, jedoch können keine Vermögenswerte von Kundendepots oder -konten behoben werden. Auszahlungen sind immer nur auf das Referenzkonto des Kunden möglich und Änderungen des Referenzkontos können aus Sicherheitsgründen auch ausschließlich über die Depotbank möglich.

Darüber hinaus ist Savity eine konzessionierte Wertpapierfirma, die von der österreichischen Finanzmarktaufsicht beaufsichtigt wird. Das bedeutet u.a. auch, dass Savity einen „Kapitalpolster“ mitführen muss, aus dem die anfallenden Kosten für mehrere Monate bedient werden können. Savity kann also nicht von heute auf morgen „pleite“ gehen. Würde Savity seine Geschäfte einstellen, wäre das ein geordneter Prozess. In dem Fall würden die bisher von Savity verwalteten Wertpapiere weiterhin im Besitz des Kunden bleiben, welcher sich fortan selbst um das Wertpapierdepot kümmert. Die Leistung der Savity Vermögensverwaltung würde wegfallen, das Depot wäre davon jedoch unberührt.

Was aber, wenn die BAWAG P.S.K. als Depotbank (bzw. easybank als Marke der BAWAG P.S.K.) in die Insolvenz schlittern sollte? In dem Fall müssten die Wertpapiere auf ein anderes Depot bei einer anderen Bank transferiert werden. Wertpapiere sind sogenanntes Sondervermögen, das nicht nicht Teil der Konkursmasse ist. Geld, das auf einem Verrechnungskonto liegt, ist im Rahmen der Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert. Sollten Wertpapiere nicht ausgefolgt werden können, sind diese bis zu einem Betrag von 20.000 Euro abgesichert. Das könnte theoretisch passieren, wenn beispielsweise Wertpapiere im Depot an andere verliehen wurden und nicht wiedererlangt werden können. Bei der BAWAG P.S.K. werden Wertpapiere von Kundendepots grundsätzlich nicht verliehen.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Insolvenz der Depotbank ein unrealistisches Szenario ist, da die BAWAG P.S.K. unter den führenden österreichischen Banken zu den Banken mit den höchsten Ratings zählt.

Rating österreichischer Großbanken im Vergleich

Das Rating entspricht jeweils dem Long-term Senior Unsecured Debt Rating durch die Ratingagentur Moody’s. Das Rating A2 ist um eine Stufe besser als A3.

BankRatingAusblick
BAWAG P.S.K. AGA2stabil
Erste Group Bank AGA2stabil
Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-WienA3stabil
UniCredit Bank Austria AGA3stabil

Und wenn es gut läuft?

In den letzten 10 Jahren konnten sowohl Aktien als auch Anleihen gute Renditen erzielen und folgten einem sehr positiven Trend – trotz Verlustphasen in diesem Zeitraum durch die Eurokrise 2011 und Coronakrise 2020. Nehmen wir statt der ursprünglichen langjährigen Aktienrendite die durchschnittlich erzielte Rendite der letzten zehn Jahre an, ergeben sich folgende Werte:

Renditeerwartungen in einem positiven Szenario
Die Werte entsprechen Renditen pro Jahr für eine global gestreute Anlage auf Basis der Wertentwicklung der letzten zehn Jahre.
Quelle: Eigene Berechnung (wie oberhalb, jedoch mit einer Aktienrendite basierend auf dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre, Rendite vor Steuern und nach Abzug aller Kosten bei Savity), Stand: 15. Dezember 2021
Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine zuverlässigen Indikatoren für zukünftige Entwicklungen.

Wie wird die Rendite in den nächsten Jahren nun ausfallen? Seriöserweise kann das niemand vorhersehen. Wir bemühen uns eine möglichst realistische Erwartung zu zeigen. Daher haben wir auch im obigen, positiven Szenario die Anleihenrendite nicht aus den letzten zehn Jahren fortgeschrieben – denn bei Nullzinsen, die sich auch in der Verzinsung von Anleihen widerspiegeln, ist das wirklich nicht wahrscheinlich. Es gibt viele Argumente, die für eine weiterhin gute Entwicklung wie in den letzten zehn Jahren sprechen. Ebenso gibt es Stimmen die dagegensprechen.

Fest steht: Im aktuellen Nullzinsumfeld kommt man an einer Geldanlage am Kapitalmarkt nicht mehr vorbei. Im Gegenteil zum Sparbuch ist die Rendite bei Kapitalanlagen im Vorhinein allerdings ungewiss, über einen längeren Zeitraum wird sie aber gewissermaßen abschätzbar. Wichtig für den langfristigen Anlageerfolg ist es, eine Anlagestrategie zu wählen, bei der man das Risiko auch in schlechten Phasen aushalten kann. Wer eine breit gestreute Anlage über einen entsprechend langen Zeitraum durchgehalten hat, wurde historisch immer mit guten Renditen belohnt. Mit Glücksspiel hat langfristiges, global gestreutes Investieren also wenig zu tun: Denn über die Zeit steigt die Wahrscheinlichkeit für „Gewinne“.