Damit wird immer deutlicher, dass die Finanzwelt – genauso wie die Staatengemeinschaft – die Dimensionen des Coronavirus völlig unterschätzt hat. Die extremen Reaktionen an den Börsen sind wohl auch dadurch zu erklären, weil wir alle – persönlich – mit einer völlig neuen Lebensrealität konfrontiert sind, deren wirtschaftliche Ausmaße wir nur schwer objektivieren können.

Um diese Einbrüche in Kontext zu bringen, haben wir die höchsten täglichen Kursverluste des S&P 500 analysiert: Höhere Tagesverluste gab es historisch erst zwei Mal, nämlich beim Großen Crash von 1929 und beim Einbruch 1987. Sogar 2008 im Zuge der Finanzkrise kam es nicht zu solch enormen Tagesverlusten.

Historisch höchste Tagesverluste
Gemessen am S&P 500 (US-Aktienindex)
RangDatumÄnderung
119. Oktober 1987-20,5%
228. Oktober 1929-12,3%
316. März 2020-12,0%
429. Oktober 1929-10,2%
56. November 1929-9,9%
612. März 2020-9,5%
718. Oktober 1937-9,3%
815. Oktober 2008-9,0%
91. Dezember 2008-8,9%
1020. Juli 1933-8,9%
1129. September 2008-8,8%
1221. Juli 1933-8,7%
1326. Oktober 1987-8,3%
145. Oktober 1932-8,2%
1512. August 1932-8,0%
1631. Mai 1932-7,8%
1726. Juli 1934-7,8%
189. Oktober 2008-7,6%
199. März 2020-7,6%
2014. Mai 1940-7,5%
Quelle: Infront, eigene Berechnung

Wir befinden uns also gewiss in einer Ausnahmesituation, die mit normalen Marktschwankungen oder einer üblichen Kurskorrektur nichts gemein hat und uns mit ihrer Abruptheit überrascht hat. Historisch können wir von diesen Bewegungen auch nicht auf die mittelfristige Entwicklung der Börsen schließen: Der Kurssturz des Black Monday von 1987 war zwar der größte jemals verzeichnete, die anschließende Korrekturphase der Börsen eine der kürzesten.

Wir müssen allerdings auch festhalten, dass zyklische Korrekturen an Börsen nichts Ungewöhnliches sind, und in einer Rezession Verluste jenseits der 20-Prozent-Marke durchaus die Norm sind. Allerdings war die Wirtschaftslage – gerade in den USA – bislang nicht besorgniserregend. Auch eine extreme Zuspitzung der geopolitischen Lage war, im Gegensatz zu den meisten vergangenen Krisen, diesmal nicht der Auslöser. Wir hatten es mit relativ teuren Märkten zu tun, die aber keine so eklatanten Verzerrungen aufwiesen wie in der Dotcom-Blase 2000 oder der großen Finanzkrise 2007/2008. Das würde zumindest für die Chance auf eine relativ rasche Normalisierung sprechen.

Die größten Börsencrashs
Maximaler Wertverlust des S&P 500 (US-Aktienindex) im angegeben Zeitraum.
KriseZeitraumVerlust
Große DepressionAugust 1929 – Juni 1932-86,2%
Schweinebucht-InvasionApril 1961 – Oktober 1962-28,0%
Vietnam-KriegNovember 1968 – Mai 1970-36,1%
Jom-Kippur/Ölkrise/WatergateJänner 1973 – Oktober 1974-48,0%
Black MondayAugust 1987 – November 1987-34,5%
Savings-and-Loan-KriseNovember 1980 – August 1982-27,8%
Dotcom-Blase / 9/11März 2000 – Oktober 2002-49,1%
FinanzkriseOktober 2007 – März 2009-56,4%
Coronavirus19. Februar 2020 – 16. März 2020-29,4%
Quelle: Infront, eigene Berechnung

Warum also dieser Absturz – und geht es so weiter?

Aufgrund der Coronavirus-Krise geht nun natürlich das Schreckgespenst einer neuen Rezession um – gepaart mit historisch bereits sehr niedrigen Zinsen. Das bedeutet, dass von den Zentralbanken – vor allem der EZB – relativ wenig zusätzliche Unterstützung zu erwarten sein wird. Die Last wird diesmal klassisch keynesianisch von der Fiskalpolitik zu schultern sein. Hoffentlich mit einem schnellen Schulterschluss auf Seiten der Europäer. China macht es uns gerade erfolgreich vor (zugegebenermaßen etwas leichter in einer Diktatur, die Quarantäne und Kreditvergabe aus einer Hand steuert). Die Unternehmen (und Aktionäre) werden ihrerseits sorgfältig die Verwundbarkeit ihrer Wertschöpfungsketten zu überprüfen haben und ihre Geschäftsmodelle überdenken.

Sofern die Eindämmung von Covid-19 in den USA greift und ausreichende fiskalpolitische Maßnahmen ergriffen werden, ist diese Krise nach zwei holprigen Quartalen bewältigbar. Demnach wären wir einer Bodenbildung mit durchaus attraktiven Anlagemöglichkeiten wohl schon relativ nah. Gerade diese zwei Unbekannten sind es jedoch, die uns als Vermögensverwalter verpflichten, weiterhin sehr sorgfältig unsere Risikopositionen zu beobachten und – bis klare Signale zu einer Abflachung der gegenwärtigen Hysterie kommen – das Risiko weiter tief zu halten.



Was tut Savity?

Die Risikomodelle von Savity sind so konzipiert, dass sie problemlos mit 95% der üblichen Marktbewegungen fertig werden und damit das Risikobudget der Kundenportfolios einhalten. Darüber hinaus wurden vom Asset-Management-Team zeitgerecht Risiko-Puffer, die auf ansteigende Kursschwankungen reagieren, erhöht. Die gegenwärtige Ausnahmesituation bewegt sich jedoch außerhalb all dieser Parameter. Wiewohl die Risikomodelle gut gegriffen haben, können solch abrupte und historisch als Jahrhundertereignis zu bezeichnende Kursbewegungen nicht vorhergesehen werden. Somit können auch die gegenwärtigen Verluste nicht gänzlich im normalen Rahmen gehalten werden. Folglich weisen gegenwärtig einzelne Anlagestrategien (je nach Einstiegszeitpunkt) unterjährig eine negative Wertentwicklung aus, die höher als das angepeilte jährliche Risikobudget ist.

Allerdings wurden von Savity bereits in der Woche vor dem 19. Februar Risikopositionen erstmals leicht reduziert, da unsere fundamentalen Makro-Modelle die Euphorie der Märkte für überzogen hielten. Dies half uns insbesondere im Februar, wo seit Beginn der Abwärtsbewegung laufend Risiko in den Strategien reduziert wurde, um das erwartete Verlustpotential („Risikobudget“ oder „Value at Risk“) mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit für ein Jahr auch einhalten zu können.

Während wir normalerweise in scharfen Korrekturen die risikoreichen Anlagen auf die Leitbörsen konzentrieren, wurde diesmal eine relativ hohe Position in Schwellenmärkten, mit besonderem Augenmerk auf China, beibehalten. Grund dafür ist, dass dort als erstes die wirtschaftliche Stabilisierung zu erwarten ist. Die USA wurden als letzte vom Coronavirus erfasst, deshalb wurden dort vor den großen Kurseinbrüchen seit Donnerstag letzter Woche noch die Positionen abgebaut. Diese Entscheidungen waren nicht modellgetrieben, sondern wurden aktiv vom Asset-Management-Team gesteuert.

In diesem Zusammenhang möchten wir auch die ungewöhnlich hohen Cash-Positionen erklären: Aufgrund der hohen Unsicherheit aller Marktteilnehmen gibt es zur Zeit keine Anlageklasse, die sich positiv entwickelt. Sogar vermeintlich sichere Häfen wie Staatsanleihen, Immobilien und Gold müssen gegenwärtig Kursverluste hinnehmen. In diesem Umfeld „parken“ wir kurzfristig das Geld ohne Kursrisiko auf Ihrem Verrechnungskonto, um es sobald sich die Panik legt, wieder attraktiv anzulegen.

Dank all dieser Maßnahmen ergibt sich für unsere Anlagestrategien per 16.3.2020 nun folgendes Bild:

Entwicklung der Savity-Strategien & Aktienindizes
Stand: 16. März 2020
Strategie/IndexRisikobudget p.a.Entwicklung seit
1 Jahr1.1.202019.2.2020
Savity Sicherheitsbewusst Classic6,0%-4,2%-5,9%-7,8%
Savity Konservativ Classic9,0%-4,3%-10,0%-12,1%
Savity Konservativ Green9,0%-3,7%-8,4%-11,8%
Savity Ausgewogen Classic11,5%-6,2%-12,4%-15,2%
Savity Ausgewogen Green11,5%-2,7%-10,3%-14,0%
Savity Ausgewogen Legends11,5%-6,3%-12,3%-15,0%
Savity Dynamisch Classic16,5%-9,7%-16,5%-19,9%
Savity Dynamisch Green16,5%-4,1%-13,0%-17,6%
Savity Dynamisch Legends16,5%-9,9%-16,5%-19,9%
Savity Aggressiv Classic25,0%-15,1%-21,8%-25,2%
Savity Aggressiv Green25,0%-9,4%-18,5%-23,6%
Savity Aggressiv Legends25,0%-11,4%-19,8%-23,2%
Weltaktienindex (EUR-währungsgesichert)--18,7%-27,0%-29,9%
US-Aktien (S&P 500)--15,5%-26,5%-29,5%
Aktien Deutschland (DAX)--25,2%-33,9%-36,6%

Quelle: Infront, eigene Berechnung

Die Tabelle zeigt die Wertentwicklung der Anlagestrategien von Savity im angegebenen Zeitraum nach allen Kosten und vor Steuern. Die Wertentwicklung individueller Portfolios kann davon positiv oder negativ abweichen – Ursachen dafür können unter anderem sein: Ein- und Auszahlungen, kundenindividuelles Rebalancing sowie steuerliche Aspekte.

Wie Sie sehen, konnten durch die getroffenen Maßnahmen die Verluste in allen Strategien im direkten Vergleich mit den wichtigsten Aktienindizes deutlich reduziert werden. Im Vergleich zu einem globalen Aktienindex schneiden alle Strategien seit Beginn der Krise um mindestens 4,7 Prozentpunkte besser ab; gegenüber dem DAX liegen alle Strategien um mindestens 11,4 Prozentpunkte besser.