Das gegenwärtige politische Umfeld lässt keine Rückschlüsse für eine taktische Positionierung zu. Wir setzen weiterhin auf Fundamentaldaten und beurteilen Marktbewertungen in Relation zueinander. Außerdem gehen wir davon aus, dass die Unsicherheit an den Märkten hoch bleiben wird.

Die Fundamentaldaten bleiben robust. Die USA bewegen sich Richtung Vollbeschäftigung. Kurzfristig wird es höchstwahrscheinlich zu einer Überhitzung (=höhere Inflation) kommen. Die amerikanische Notenbank hat bereits signalisiert, dass sie mit weiteren Zinserhöhungen reagieren wird. Europa wird da nicht mitziehen, obwohl auch bei uns die wirtschaftliche Entwicklung durchaus positiv ist. Allerdings ist die Erholung vor allem aufgrund der strukturellen Schwächen (wie Staatsverschuldung und -defizit, Arbeitslosigkeit, Exportabhängigkeit) wesentlich fragiler. Dadurch ist die vorsichtige Haltung der europäischen Zentralbank EZB – zum Leidwesen der Sparer – durchaus gerechtfertigt. Wenn wir davon ausgehen, dass der Handelskrieg gegen China durch Verhandlungen kanalisiert werden kann, so sollten die Auswirkungen bereits in die Märkte eingepreist sein. Gleiches gilt in Bezug auf das Russland-Embargo, das die russische Wirtschaft (im Gegensatz zu China) tatsächlich treffen wird.

Was können wir für die verschiedenen Anlageformen bis Jahresende erwarten?

Zinsen

US-amerikanische Zinsen sind bereits angestiegen: wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Dabei sind wir weniger besorgt, dass die Inflation steigen wird (wovon wir ausgehen). Wir sehen mit Sorge, dass aufgrund der expansiven Wirtschaftspolitik von US-Präsident Trump das Budgetdefizit stark wächst und gleichzeitig die Notenbank versuchen wird, ihre Anleihebestände dieses Jahr zu reduzieren, um wieder zu einer normalen Geldpolitik zurückzukehren. Das schiere Volumen, das dadurch auf den Markt kommt, bringt Druck auf die Zinsen. Wir bleiben deshalb bei unserer Einschätzung, dass die US-Zinsen (von derzeit 2,80%) auf 3,00-3,25% steigen sollten.

Die Zinsen in Europa werden von dieser Entwicklung beeinflusst, und bleiben deshalb unter Druck. Wir kommen allerdings von einem wesentlich niedrigerem Niveau (derzeit 0,65%) und rechnen deshalb weiterhin, dass 10-jährige Anleiherenditen lediglich auf 0,75% bis 1,25% steigen werden. Für Anleiheinvestoren bedeutet das Kursverluste.

Aktien

Nach einem fulminanten Start sind seit den Trump’schen Eskapaden vor allem die US-Aktien immer mehr unter Druck geraten – das ist durch extrem hohe Bewertungen zu erklären, die mit schwindender Zuversicht der Investoren als zu riskant empfunden wurden. Auch europäische Aktien fielen der Korrektur zum Opfer, obwohl sie wesentlich moderater gepreist sind. Fundamental lässt sich das mit der Exportabhängigkeit Europas erklären: wir sind verwundbar durch den starken Euro und, natürlich, gegenüber Trumps Polemik. Für China und andere große Schwellenländer (wie Korea oder Taiwan, Mexiko etc.) wird das Klima ebenfalls zunehmend rauer.

Wir gehen aufgrund der weiter starken Wirtschaftsdaten von leicht steigenden Kursen, allerdings begleitet von hohen Schwankungen, aus.

Währungen

Die großen Reservewährungen (USD, EUR, JPY) befinden sich in breiten Korridoren, die wenig aussagekräftig sind. Wiewohl die meisten Prognosen von einem weiterhin schwachen USD ausgehen, wird die Überliquidität 2018 möglicherweise rascher abgeschöpft als heute erwartet – und das würde einen stärkeren USD implizieren.

Schwellenmärkte hingegen sind vor dem Hintergrund einer starken Erholung der Weltwirtschaft zwar weiterhin attraktiv, können aber in einem weltweit turbulenten Umfeld ihr Potential nicht ausnutzen. Die Investoren werden sich auf die großen Wirtschaftsmächte konzentrieren.

Was bedeutet das im Detail?

Basierend auf unseren Modellen und der aktuellen volkswirtschaftlichen Entwicklung können wir das künftige Ertragspotential der Märkte ermitteln:

Ausblick Assetklassen
PerformanceInflationSavity
Q1 20182018 Gesamt2018-20282018-2028Gewichtung*
Aktien Industrieländer
USA-3,66%3,00%2,25%2,10%Stark untergewichtet
Europa-5,68%3,50%5,51%1,60%Neutral
Japan-5,75%2,90%4,00%1,20%Neutral
Aktien Schwellenländer-1,98%5,50%8,54%4,00%Übergewichtet
Aktien Global-4,25%3,46%4,00%Übergewichtet
 
Anleihen Industrieländer
Staatsanleihen EUR0,50%-2,50%0,81%1,60%Untergewichtet
Staatsanleihen USA-1,53%-3,00%1,44%2,10%Neutral
Unternehmensanleihen IG-0,40%-1,75%1,01%1,60%Untergewichtet
High Yield Anleihen-0,66%-3,50%2,91%1,60%Untergewichtet
Anleihen Schwellenländer
In Lokalwährung-0,66%1,50%3,21%1,60%Übergewichtet
 
Alternatives-2,20%3,00%1,95%1,60%Neutral
 
Gold-1,03%3,00%2,21%1,60%Übergewichtet
* Savity setzt Prognose-Modelle ein, um die Ertragsschätzungen des Globalen Gleichgewichtsportfolios (nach Black Litterman) zu adaptieren. Daraus resultieren dann gegenüber einem passiven Ansatz Über-, Unter- oder neutrale Gewichtungen.

Fazit

  • Wir befinden uns nach wie vor in einer Korrekturphase. Kurzfristig sind weitere Verluste aufgrund der hohen politischen Unsicherheit nicht auszuschließen.
  • Die Konjunktur in den USA wird nach einem schwachen 1. Quartal wieder anziehen.
  • Anleger kommen auch 2018 nicht am Aktienmarkt vorbei.
  • Für Anleger ist vor allem Europa zunehmend attraktiv.
  • Schwellenländer sollten sich trotz des schwelenden Konflikts zwischen China und USA behaupten.
  • Das Risiko von Kursverlusten für Anleiheinvestoren bleibt hoch.