Bis Mitte Juni befanden sich die USA auf Rekordkurs: Das Wachstum für das 2. Quartal wurde mit 4,8% vorhergesagt, aufgrund schlechter kurzfristiger Konsumdaten wurden die Prognosen dann jedoch auf 3,8% herabgesetzt. Die EU musste ihre Schätzungen für das Wirtschaftswachstum bereits am Beginn des Quartals zurücknehmen. Diese Ernüchterung ging mit der politischen Eskalation der Handelskriege einher. Präsident Trumps aggressiver Protektionismus – nach dem Motto USA gegen die Welt – richtet sich gleichermaßen gegen Alliierte, wie Kanada, Mexiko und EU/Deutschland, wie gegen altbekannte Feindbilder – allen voran China. Gerade die Europäer und Kanada wurden von der programmatischen Konsequenz Trumps unvorbereitet und ungläubig getroffen. Politik und Märkte reagierten verspätet, aber mit wachsender Verstimmung.

Aktienmärkte: Liegt das Beste hinter uns?

Nach der Korrektur des 1. Quartals eröffneten die Börsen durchaus konstruktiv. Insbesondere Europa setzte nach dem Winterausverkauf zu einer vielversprechenden Erholung an, unterstützt von einem schwächelnden Euro/USD Wechselkurs, der Exporteure unterstützt. Dann kamen die negativen Wachstumsrevisionen, während die USA weiterhin auf Rekordkurs blieben. Anfang Juni brachte das Fiasko des G7 Gipfels einen Paukenschlag für die traditionellen „Verbündeten“ der USA. Die Märkte verdauen seither die Idee einer protektionistischen Neuordnung von Interessen, die letztendlich nur Verlierer bringen wird – also Unsicherheit gepaart mit niedrigeren Ertragschancen und damit Gift für die Aktienmärkte. Erstes Opfer waren die Schwellenmärkte: Neben Mexiko (ganz oben auf Trumps Liste) wurden verwundbare Schwellenländer als erste abgestraft (insbesondere Argentinien, Brasilien, Türkei, Südafrika). In Zeiten der Unsicherheit kam es zu Rekordabflüssen von Portfolio-Investments aus Schwellenländern: Aktienallokationen werden auf Kernmärkte konzentriert, Randalllokationen werden zurückgefahren.

Nach dem 14. Juni setzte sich die Erkenntnis durch, dass Trump mit seinem protektionistischen Programm Ernst machen wird – ohne Rücksicht auf Verluste. Denn auch amerikanische Unternehmen melden sich verstärkt mit Kritik an der eigenen Administration zu Wort, allen voran die Autokonzerne: Mehr als 50% der von General Motors und Ford in den USA verkauften Autos werden in Kanada und Mexiko gefertigt, wesentliche Fertigungsteile werden aus Europa importiert. Die Automobilindustrie verfügt über eine der am stärksten global integrierten Wertschöpfungsketten, und die US-Konzerne haben davon kräftig profitiert. Die höheren Preise wegen der US-Schutzzölle (etwa auf Stahl- und Aluminiumprodukte) müssen nun an die Konsumenten weitergegeben werden, was dämpfend auf die Nachfrage wirken dürfte. Sogar die Technologiebranche, die sich lange Zeit von den Handelskriegen abkoppeln konnte, erweist sich nun als verwundbar: Am stärksten ist natürlich China getroffen, aber auch US-Technologiewerte kommen unter Druck: Neben ausgelagerten Fertigungen (wie im Falle Apples) werden direkt in den USA Technologietransfers im Interesse der nationalen Sicherheit untersagt. Für Europa werden neben den direkten Handelssanktionen auch politische Kehrtwendungen, wie die Abkehr vom Iran-Atom-Abkommen, wirtschaftlich gerade große börsennotierte Unternehmen treffen. Höhere Erdöl-Preise treffen Europa und die Schwellenländer ebenfalls, während die USA dank ihrer Fracking-Exporte Profiteure sind.

Anleihemärkte: Sicherer Hafen gesucht

Nie war es so schwer, am Anleihemarkt eine Richtung zu erkennen. Die US-Zentralbank Federal Reserve (FED) setzt auf die robuste Konjunktur gepaart mit Vollbeschäftigung und nutzt die Gunst der Stunde, um die Zinsen – bevor sich die Konjunktur abflacht – weiterhin zu erhöhen, und so eine Normalisierung der US-Geldpolitik herbeizuführen. Trumps Steuerreform hat jedoch nicht nur die Konjunktur angekurbelt, sie hat fiskalpolitisch eine Zeitbombe gelegt: Das Defizit der USA wird durch die niedrigeren Steuereinnahmen – am Gipfel eines Konjunkturzyklus (!) – gewaltig steigen. Es wird ein Anstieg von 3,4% in 2017 auf 4,2% dieses Jahr, und dann weiter auf 5,1% im Jahr 2021 erwartet, denn der gegenwärtige Stimulus muss als nicht nachhaltig für das Wirtschaftswachstum eingeschätzt werden (Quelle: CBO, The Budget and Economic Outlook: 2018 to 2028). Das bedeutet, dass die USA immer mehr Geld absorbieren werden, um ihre Schulden zu finanzieren, gleichzeitig aber der Wirtschaftsausblick langfristig nicht gerade rosig ist. Im April erreichte diese Unsicherheit ihren Höhepunkt: Die 10-Jährigen Zinsen für Staatsanleihen stiegen auf 3,15% (steigende Zinsen bedeuten Kursverluste für Anleger). Mittlerweile hat die EZB durch ihre Erklärung, die Zinsen auch 2019 nicht anheben zu wollen, eine gewisse Entlastung gebracht. Die USA profitierten darüber hinaus, genauso wie Deutschland, von der Flucht in sichere Häfen, die durch die italienische Staatskrise Ende Mai angeheizt wurde. Italienische Staatsanleihen und der EUR wurden abverkauft, und konnten sich bis heute nicht wirklich erholen. Die Märkte bleiben nervös. Der Zinsabstand zwischen US- und deutschen Staatsanleihen ist auf 2,56% gestiegen.

Währungen

Der US-Dollar bleibt dominant: Die Richtung für die globale Wirtschaftsordnung wird von den USA vorgegeben, Europa ist zum Statisten verkommen und scheint mehr mit der Migrantenkrise beschäftigt, als mit einer Antwort auf wirtschaftspolitische Herausforderungen. Auch die Brexit-Querelen fügen sich nahtlos in ein Bild ein, das ausschließlich auf populistischen Hickhack mit Verlustmaximierung auf beiden Seiten hinausläuft.

Das Kursniveau von USD/EUR 1,15 dürfte eine Schwelle markieren, die mittelfristig halten sollte. Die guten Nachrichten der wirtschaftlichen Stärke der USA und die schlechten Nachrichten zu den europäischen Wirtschaftsdaten wurden im 2. Quartal verarbeitet.

Rohstoffe

Mit Ausnahme von Erdöl waren Rohstoffe eines der Opfer der Trump’schen Politik: Global bedeutet Protektionismus weniger Handel, niedrigeres Wirtschaftswachstum, und damit weniger Wachstumspotential für Rohstoff-Preise. China, als wichtigster Abnehmer von Rohstoffen, dürfte von Trumps Sanktionen am stärksten betroffen sein und seine Rohstoff-Nachfrage reduzieren. Grund dafür sind eben weniger erwartete Exporte in die USA und die damit einhergehende niedrigere Produktion.

Gold profitiert typischerweise von einem unsicheren Marktumfeld. Eine solche Reaktion war jedoch bislang aufgrund der steigenden Zinsen und der USD-Stärke nicht zu verzeichnen.



Die Savity-Strategien

Das 2. Quartal war eine Ausnahme von der Regel, dass langfristig breite Diversifikation und überlegene Fundamentalbewertungen die beste Performance erzielen sollten. Kurzfristige Richtungsänderungen aufgrund der turbulenten politischen Ereignisse führten zu hohen globalen Umschichtungen, die von USD-denominierten Vermögen dominiert waren: Konzentration auf US-Kernmärkte und die negative Neueinstufung Europas und der Schwellenmärkte standen dabei im Vordergrund.

Entwicklung der Anlagestrategien im 2. Quartal 2018

Sämtliche Kosten sind in der Wertentwicklung berücksichtigt. Bitte beachten Sie, dass historische Wertentwicklungen kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen sind.
Quelle: Blackrock iShares, Lyxor, FRED, eigene Berechnungen

Die risikoaversen Strategien konnten sich vor allem zu Beginn des Quartals exzellent behaupten: Dank negativer Bewertung des Zinsänderungsrisikos generell und des EUR-Anleihemarktes im Speziellen, waren die Portfolios wesentlich weniger von den Kursverlusten betroffen als Vergleichswerte. Gegen Ende des Quartals wurde dieser Vorteil allerdings durch die Beimischung von Schwellenländeranteilen und deren überproportionale Verluste egalisiert.

Die ausgewogenen und aktienlastigen Strategien (dynamisch und aggressiv) konnten nicht am Aufschwung des Weltaktienindex, der von den US-Aktien geprägt war, partizipieren. Die Portfolios waren breit diversifiziert und in Aktien der europäischen und Schwellenmärkte höher gewichtet. Grund dafür waren die wesentlich attraktiveren fundamentalen Bewertungen unserer Marko-Modelle. Die starke Positionierung in US-Technologiewerten konnte diesen Nachteil nicht wettmachen.

Die Savity Green-Strategien, die in Investmentfonds ohne konstante Währungssicherung investieren, konnten durch die aktive Positionierung ihrer Manager von der USD-Stärke profitieren. Sie erreichten so eine leichte Outperformance gegenüber den anderen Savity-Strategien, die konsequent als passive Portfolios währungsgesichert verwaltet werden.

Unseren Ausblick auf das kommende Quartal lesen Sie nächste Woche in unserem Blog.